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Rauchschwalbe (Hirundo rustica) -- Vogel des Jahres 1979
Mehlschwalbe (Delichon urbica) ---- Vogel des Jahres 1974

Ein sonniger Tag zwischen Ende und Mitte April: die Luft schon kräftig aufgeheizt von einer Sonne, die heutzutage bereits in diesem Monat eine Hitze-Präsenz zeigt, wie sie bislang nur dem Hochsommer vorbehalten war. In die Geräuschkulisse der ländlichen Ortschaft – Amselgesänge, Spatzengetschilp, das gelegentliche Vorüberwummern eines Motors auf der Straße, Hühnerkollern, das Muhen und Kettenklirren des verbliebenen Viehbestandes aus den Ställen – mischt sich ein weiteres Vogellied, das zugleich vertraut wirkt und auf den ersten Moment befremdlich, eben wie ein Gesang, an den das Ohr sich nach langer Zeit wieder gewöhnen und den das Gehirn erst aus seinem Gedächtnis-Register hervorholen muss. Der Anblick des Sängers beseitigt denn alle flüchtigen unterbewussten Zweifel: Dies helle, wetzende Zwitschern und die purpurblau glänzende kleine Gestalt mit den langen, schmalen Flügeln und den fadendünnen Schwanzspießen gehören zusammen. Die ersten Rauchschwalben sind aus Afrika zurückgekehrt.

Es gibt leider nicht mehr allzu viele Stellen, an denen der Nachfolge-Monat dann ein solches Massen-Spektakel kleiner Vögel zusammen bringt: Zu Dutzenden kreisen schwarz-weiße Flieger in kurvigem Tiefflug über einer ungeteerten Hofzufahrt. Offensichtlich auch Schwalben, doch unterscheiden sie sich von den Rauchschwalben durch das Fehlen einiger Schmuck-Elemente, angefangen beim kastanien- bis kirschroten Kehllatz der Verwandten, endend mit den Schwanzfedern, die sich auf eine schlichte Gabelform beschränken.

Mehlschwalben

Foto: U. Theissen, fotocom-munity, fc-foto 9327506

Wenige Tage nach den Rauchschwalben – oft sogar gleichzeitig mit ihnen – sind die Mehlschwalben aus den Winterquartier eingetroffen. An der Pfütze, wo sich die ausdauernden Flugkünstler endlich zu Boden trauen, sammeln sie mit den Schnäbeln lehmiges Material für ihre Nester. Etwas später als die in Innenräumen brütenden Rauchschwalben beginnen sie mit ihrem Nestbau an einer wettergeschützten, schwer zugänglichen Stelle zwischen Gebäudewand und Unterdach. Die Nester bestehen aus 700 bis 1500 Lehmkügelchen, welche die Mehlschwalben mit ihrem Speichel verkleben.

Während die Vettern auf Einzellage Wert legen, sind die Mehlschwalben gesellige Brüter und kleben ihre mit Halmen verfestigten halbkugelförmigen Nester oft Rundung an Rundung wie Reihenhäuser. Dabei erklingt unablässig ihr Kontaktruf, ein heiseres, zirpendes prirrt-prirrt, das eine Atmosphäre agiler Geschäftigkeit verbreitet.

Brutbiologie

Je nach Wetterlage ziehen die Mehlschwalben ein bis zwei, die Rauchschwalben manchmal sogar drei Bruten im Jahr groß. Die Brutzeit reicht von der Nestbauphase ab Anfang Mai bis zum Ausfliegen der letzten diesjährigen Jungen-Generation Ende August/Anfang September. Schon Mitte des Spätsommer-Monats schließt sich dem anstrengenden Brutgeschäft der Höhepunkt des Herbstzugs an, der an warmen Tagen Schwärme von Schwalben in der Luft, auf Fernsehantennen oder Stromleitungen versammeln kann – wo diese noch nicht von moderner Satellitentechnik abgelöst wurden.

Rauchschwalben

Foto: Dieter Goebel-Berg- gold, fotocommunity.de, fc-foto 9336028 *

Die Eier der Rauchschwalbe – bei beiden Arten im Durchschnitt drei bis fünf – sind weißlich mit roten Sprenkeln, die der Mehl-schwalbe rein weiß. Die meiste Zeit sitzt das Weibchen hudernd auf dem Gelege und wird manchmal vom Männchen für kurze Zeit abgelöst. Dann genießen die heranreifenden Embryos den Luxus zusätzlicher Körperwärme, während die Mutter auf der Jagd für ihren eigenen großen Energiebedarf ist. Nach zwölf bis vierzehn Tagen schlüpfen die Jungen zunächst blind und nackt bis auf ein Flaumbüschelchen am Kopf. Wie alle Singvogelkinder verleiten sie ihre Eltern durch Aufsperren eines leuchtend gelbrot gefärbten Rachens mit dicken gelben Schnabelrändern zum Füttern. Verraten sei hier der Unterschied zu jungen Mauerseglern – mit denen die Schwalben übrigens keine zoologische Verwandt-schaft verbindet: Jene attackieren die Elternvögel mit ihren offenen Rachen und nehmen den halben Kopf in ihren nestelnden Futtergriff, als wollten sie den Alten gleich mit verschlucken. Was unter anderem beweist, dass Mauersegler keine Singvögel sind.

In etwa drei Wochen entwickeln sich die nackten Würmchen über wuschelige Dunenbündel zu eleganten Jungvögeln, die unternehmungslustig aus dem Nest schauen. Bis zu dem Tag, da die Eltern mit Futter in Kropf und Schnabel provozierende Runden vor dem Nistplatz drehen – pädagogische Hilfe beim Ausfliegen.

Flügge Rauchschwalben bei der Fütterung

Foto: Ursula Müller-Theißen, fotocommunity.de, fc-foto 6501636 *

Gefährdung

Rauch- und Mehlschwalbe stehen seit 2004 in Bayern und Deutschland auf der Vorwarnliste für bedrohte Arten. Die Gründe für ihren anhaltenden Bestandsrückgang sind vielfältig: Veränderungen des Siedlungsbildes, zu starke Ausdehnung der Ortschaften, Rückgang der Landwirtschaft, die die Schwalben bislang mit einem reichhaltigen Angebot an Insekten versorgt hat.

Auf die Rauchschwalbe wirkt sich letzteres besonders dahingehend aus, dass Bruträume in aufgegebenen Viehställen verschwinden. Hier konnten die Vögel auch bei kaltem Wetter noch genügend Fliegen für sich und ihre Jungen fangen, da die großen Tierkörper die Luft warm hielten. Kalträume, etwa in einem zur Schreinerwerkstatt umfunktionierten Stall, werden immerhin als Notangebot besiedelt, wenn auch in geringerem Umfang als die traditionellen Optimal-Biotope. Vereinzelt lässt sich beobachten, dass Rauchschwalben-Paare ihr halbschalenförmiges Lehmnest in Mehlschwalben-Manier an einer Hausfassade bauen – vermutlich eine schon immer da gewesene plastische Verhaltensvariante, die durch den Klimawandel mit seinen durchgehend wärmeren Sommern begünstigt werden könnte.

Mehr als die Rauchschwalben leiden ihre Vettern mit den weißen Bäuchen und den weiß befederten Füßchen unter peinlichem Ordnungssinn der Hausbesitzer, die in der Schwalbenfamilie entschieden mehr eine Dreckschleuder als die Zierde des Lebendigen sehen. Mehlschwalben nis-ten nicht nur an landwirtschaftlichen Scheunen, sondern auch an normalen Einfamilienhäusern mit griffiger Fassade, sind also nicht so stark auf Bauernhöfe angewiesen. Trotz Artenschutzgesetz werden immer wieder Nester mit dem Besenstiel von der Wand geschlagen oder die Fassaden rundum gegen Luftangriffe weit gereister, erschöpfter kleiner Vögel vergittert.
Ein anderes Problem ist die zunehmende Versiegelung der Böden, die den Schwalben den Zugriff auf lehmiges Nistmaterial verwehrt.

Hinzu kommen mit großer Sicherheit Verluste durch Trockenperioden, Pestizideinsatz sowie bei der Rauchschwalbe auch durch Jagd in den afrikanischen Winterquartieren und auf den weiten Zugwegen. Durchaus hoffnungsvoll stimmt da die neuere Beobachtung, dass beide Schwalbenarten in kleiner, aber steigender Anzahl auf der Iberischen Halbinsel, ja sogar in näher gelegenen klimatisch milderen Gegenden Europas überwinternd angetroffen werden – vorausgesetzt, dass sich die Umweltbedingungen auch dort nicht verschlechtern.

Schutzmaßnahmen

Die Bereitstellung von Nistplätzen ist der beste, wirksamste und einfachste Schutz, den jeder ein-zelne für unsere beiden Kulturfolger unter den Schwalbenarten tun kann, damit sie weiterhin nach dem alljährlichen Zug unsere Nähe suchen.
Die Rauchschwalben kann man in modernen Laufställen mit glatten Holzwänden bei der Nistplatzsuche unterstützen, indem man ein Kunstnest aus Holzbeton oder zwei im rechten Winkel miteinander verspaxte oder vernagelte Brettchen in mehr als Kopfhöhe befestigt. Als Unterlage bzw. Aufhängung können dabei Querverstrebungen benutzt werden. Da Rauchschwalbenpaare mit individuellem Abstand zu einander brüten, sollten die Nisthilfen sich nicht zu eng nebeneinander befinden. Deshalb werden die nach oben offenen Kunstnester für Rauchschwalben im Zoo- oder Gartenfachhandel stets als Einzelsätze angeboten.

Mehlschwalben in Kunst- nestern

Foto: Gerd Wellner, aufge- nommen an einer Scheune in Egling (südl. München)

Kunstnester für die Mehlschwalbe werden im Außenbereich eines Gebäudes im Winkel zwischen Hauswand und Unterdachlattung befestigt. Die Hausseite sollte mindestens sechs Meter hoch sein (fehlt eine solche Gebäudehöhe ringsum in der Umgebung, so werden auch niedrigere Wände bezogen) und muss auf jeden Fall einen freien Anflug bieten. Zudem werden mit Efeu oder Wein berankte Fassaden von den Mehlschwalben gemieden (gestörte Flugschneise, Anschleichmöglichkeiten für Nesträuber). Die im Handel erhältlichen Mehlschwalbennester stellen immer Doppelsätze dar und tragen dem geselligen Verhalten als Koloniebrüter Rechnung.

Um die Vögel auch an einer sonst zu glatten Wand zum eigenen Nestbau zu stimulieren – tatsächlich ist der Instinkt für diese Handlung sehr ausgeprägt und überdeckt oft das Interesse an Kunstnestern - kann man sägeraue Winkelbretter von mindestens 30 Zentimetern Breite anbringen. Eines dieser Bretter muss der Wand parallel anliegen, das andere kann als Stütze von unten oder als zusätzliche Überdachung dienen.

Mehlschwalbe - Foto: LBV-Archiv, Z. Tunka

Bei den zunehmenden, anhaltenden Trockenperioden, die Klimaprognosen für die künftigen Frühjahre und Sommer vorher sagen, wird es für die Schwalben beider Arten immer schwieriger, rechtzeitig vor Brutbeginn ihre Nester zu bauen. Der hartgetrocknete Lehmboden gibt kein Baumaterial mehr her. Schwalbenfreunde, die auf ihrem Grundstück eine ungeteerte Einfahrt haben, können eine solche Notzeit durch regelmäßiges Wässern einer Pfütze überbrücken helfen. Angesichts der klimatischen Entwicklung könnten Kunstnester jedoch immer wichtiger werden.

Neben der Sicherung und Neuschaffung von Nistplätzen trägt der Erhalt einer abwechslungsreichen, naturnahen Umgebung von Ortschaften zur Stabilisierung unserer Schwalbenbestände bei. Zu den dafür nötigen Maßnahmen gehört die Erhaltung und Neuanlage von Dorfteichen, eine naturnahe Gartenpflege, die Anpflanzung heimischer Sträucher und Bäume, die Renaturierung von Mooren.

Kunstnester für Rauch- und Mehlschwalben sind bei der Firma Schwegler sowie im Zoo- und Gartenfachhandel erhältlich.

Was tun gegen den Schmutz?

Ein Kotbrett unter dem Mehlschwalbennest hält den größten Teil des anfallenden Kots von der Fassade fern. Es sollte in etwa 50 Zentimetern Abstand unter dem Nest angebracht werden, um die Vögel nicht am freien Anflug zu hindern.

Damit Tauben das Kotbrett nicht mit einer Unterlage für ihr eigenes Nest verwechseln, kann man es mit einem entsprechenden Winkeleisen im 30-Grad-Winkel nach außen geneigt anbringen.


Ist Ihr Haus für Mehlschwalben geeignet?

Eine Checkliste zu dem, was Sie tun können bietet folgender Link zum
Aktionsleitfaden von der NABU - zur Zeit kein Zugriff -

Hilfsmaßnahmen für Schwalben
Bauanleitungen für Nisthilfen & Co.
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» Nisthilfen - der Lehmbau für Schwalben


Die größte Artenschutz-Hilfsaktion im Bereich des Vogelschutzes:
Die
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